Mittwoch, 26. Januar 2011

Esquel nach Puyuhuapi


Gestern sind wir direkt nach dem Frühstück in Esquel losgefahren und haben zunächst in 4 Kiosken die Zigarettenvorräte, die sich dort üblicherweise auf 4 oder 5 Schachteln beschränken, aufgekauft. Die Zigaretten sind in Argentinien nämlich deutlich billiger als in Chile. (ungefähr 1 Euro, in Chile das Doppelte)

Esquel liegt nur ca. 60 km von der Grenze entfernt, aber zunächst kamen wir nicht weit. Am Ortsausgang war erstmal eine Polizeikontrolle, an der alle Papiere mit Stempel (das Wichtigste überhaupt), die wir irgendwie auftreiben konnten, überprüft wurden. (und keiner hat gemerkt, dass M. eine neue Identität hier hat) Kurz nach Mittag waren wir dann schließlich an der argentinischen Grenze, holten uns dort unsere Passstempel ab und bekamen auch wieder einen Stempel auf das notariell beglaubigte Papier, dass wir mit dem Mietwagen rechtmäßig in Argentinien unterwegs waren.

5 Minuten später war das Papier dann weg und das kam so. Bei der Einreise nach Chile mussten wir erst mal wieder 2 Formulare ausfüllen, eines für den Pass -da gibt’s dann eine Durchschrift die man auf gar keinen Fall verlieren darf- und ein weiteres für den Einfuhrkontrolle. Da geht es vor allem darum, dass man keine Lebensmittel und nicht zu viel Bargeld einführen darf. Die 3. Station ist schließlich der Zoll, der uns das mühsam gestempelte Autopapier einfach weggenommen hat und dann durften wir weiterfahren. Alles in allem geht da schon mal ne Dreiviertelstunde drauf, bis man alles durch hat.

Nun hatten wir das Problem, dass unser nächstes Hotel nur mit einer Fähre erreichbar ist. Dazu kommt, dass die Straße zum Fähranleger durch Bauarbeiten täglich bis 14.00 Uhr komplett und danach immer wieder mal sporadisch gesperrt ist.
Da wir nach dem Zoll noch rund 230 km vor uns hatten, kamen wir ein bisschen in Zeitdruck. Wir hatten nämlich am Abend vorher im Hotel angerufen und gefragt, wann die Fähren fahren und uns wurde gesagt, dass eine um 15.30 und eine um 17.30 Uhr geht. Da die ganze Strecke ungeteerte Rüttelpiste war (es handelt sich hierbei um die Carreta Austral, die wichtigste und einzigste Nord- Südverbindung in Chile), ging es halt auch nicht so richtig flott voran.
Trotzdem gab es wohl mal im letzten Jahr ein Brückenbauprogramm, weil wir an mehreren gleichaussehenden Stahlhängebrücken durchkamen, die gar nicht in die Landschaft passten. Da fährt man 50 km auf einspurigen ungeteerten Feldwegen, kommt um die Ecke und dan steht dann so was.Sieht schon komisch aus.

Wir sind also praktisch den ganzen Mittag komplett durchgefahren und haben statt der üblichen 1.189 Fotostopps höchstens 89 gemacht. 




Mit noch mal schnell tanken im Dorf Puyuhuapi
-die Tankstellen werden jetzt richtig rar- hätten wir es locker auf kurz nach 17.00 Uhr an den Fähranleger geschafft, wenn da nicht ein Kilometer vorher direkt vor uns ein LKW zu einem Bagger rangiert hätte und in aller Gemütsruhe beladen wurde. So war es dann schließlich 17.29 Uhr, als wir ankamen und das hat noch locker gereicht.




Ärgerlich war dann allerdings, als wir im Hotel gemerkt haben, dass um 19.00 Uhr noch ein Fähre fährt, also die ganze Hektik umsonst.

Das Hotel selbst ist traumhaft schön. Es liegt in einer Meeresbucht auf einer Halbinsel, die auf dem Landweg nicht zu erreichen ist, und hat mehrere Thermalbecken, die von Vulkanen gespeist werden. Die Becken haben zwischen 35 und 40 Grad und man hat sie fast komplett für sich alleine. Autos gibt’s natürlich nicht, Handy geht auch nicht.

Wir haben uns also erstmal ausgiebig in den Thermen rumgetrieben und sind dann um 21.00 Uhr zum Abendessen gegangen. Das war ein totaler Flop. Die machen hier einen auf Haut Cuisine, verlangen einen Schweinepreis und dafür gabs dann als Hauptgericht wahlweise irgendein komisches Fischgericht (Misch-Matschpampe) oder Lammmatschpampe. Ich habe also erstmal mit dem Ober verhandelt und gesagt, dass ich den Menüpreis nicht zahlen will, wir wollen kein Hauptgericht. Das hat dann auch geklappt, so dass wir die Vorspeise -Claudia ein Süppchen und ich irgendwas Undefinierbares- gegessen haben. Ich habe mir dann noch das Dessert bestellt, das wahnsinnig toll aussah und nach gar nichts schmeckte, so dass ich schließlich auch die Hälfte stehen ließ.

Zum guten Glück hatten wir unsere Notfallration Traubensaft im Rucksack, die dann als Abendessen herhalten musste. 

Irgendwann in der folgenden Nacht sind wir von Blatterregen aufgewacht. Am Tag vorher war es ja noch traumhaft schön gewesen. Das Meer war am Morgen dann auch komplett Wolken verhangen. 


Wir haben uns trotzdem entschlossen, unseren geplanten Ausflug zum hängenden Gletscher zu machen. Wir mussten um 09.00 Uhr mit dem Boot an die Anlegestelle fahren, damit wir vor der Straßensperrung noch raus fahren konnten. Dadurch waren wir wieder mal die ersten im Nationalpark. 


Wir haben dann bis gegen 15.00 Uhr sämtliche Wanderwege -auch die steil bergauf- abgelaufen, die durch den nächtlichen Regen teilweise tief morastig waren. 


Der Gletscher ärgerte uns allerdings immer ein bisschen, weil er sich die meiste Zeit hinter Wolken versteckte. Zwischendurch war er aber immer wieder mal zu sehen. Es ist ein unwahrscheinliches Naturschauspiel, wie die gigantischen Wassermassen aus dem Eis stürzen. 


 
Dazu kommt immer wieder ein richtiges Grollen, wenn Teile des Gletschers abbrechen und in die Tiefe stürzen. Das macht ein Höllenspektakel. Man sieht das auf dem Bild etwas links vom Wasserfall.

 
Es blieb auch die ganze Zeit, bis auf ein gelegentliches leichtes Nieseln, trocken.

Um 16.00 Uhr sind wir mit der Fähre zurück ins Hotel und dort in den heißen Kochtopf gesessen.

Dann gabs auch noch ne Überraschung. Am Abend vorher hat uns der Hoteljogi beim Verlassen des Speisesaals gefragt, ob alles in Ordnung sei. Ich habe ihm gleich gesagt, dass alles perfekt ist außer der beschissenen Küche. (ich habs nicht ganz so drastisch gesagt) Ich hab mich halt über die Menüauswahl beschwert und gesagt, dass man für den Preis zumindest ein Buffet oder mehrere Gerichte zur Auswahl erwarten könnte. Er meinte, er werde das gleich an den Küchenchef weitergeben und siehe da, als wir vom Gletscher zurückkamen, wurde im Außenbereich schon alles für ein Buffet gerichtet. Wir sitzen jetzt gerade auf unserer Zimmerterrasse über dem Meer und schauen dem Treiben zu.

Der Grill raucht schon mächtig, mal schauen was draufgelegt wird. Im nächsten Blog werde ich dann berichten, ob das Essen diesmal genießbar war.



Auf dem Bild sieht man auch die Holzterrasse unseres Zimmers, von der man diesen Blick hat. Wie man sieht, war das Wetter am Abend wieder ganz brauchbar.

1 Kommentar:

  1. Was für eine traumhaft schöne Landschaft! Und das Hotel würde mir ebenfalls sehr gefallen - darf ich fragen, wie es heißt? Ist es das Termas del Ventisquero Puyuhuapi?

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